SNOWFLAKE freut sich das Projekt Mini Decki zu unterstützen

Mai 30, 2015

Eine Kuscheldecke für jedes Flüchtlingskind

Freiwilligenhilfe / Simone Maurer wurden die traurigen Meldungen über Flüchtlinge zu viel und setzte sich an die Nähmaschine. «Mini Decki» löste eine Welle der Solidarität aus.

Beigeweise stapeln sich Stoffdecken in Simone Maurers Wohnzimmer in Rütihof. Zusammengefaltet liegen Decken auch in Kartons, die sie und andere Freiwillige in die Durchgangszentren für Asylsuchende bringen und die dort an Flüchtlingskinder verteilt werden. Als Geschenk von Näherinnen und Nähern aus der Schweiz. Im vergangenen Dezember hat die Sozialpädagogin und Mutter dreier kleinen Kinder ihr Projekt «Mini Decki» ins Leben gerufen. «Ich wollte, dass jedes Flüchtlingskind seine persönliche kuschelige Decke bekommt», sagt die 38-Jährige. Bis jetzt erhalten Kinder in den Empfangszentren die Decken nur leihweise. Bei der Weiterreise in die Gemeinden oder in ein anderes Land müssen sie sie abgeben. 

Letzten Sommer wurden Maurer die Katastrophenmeldungen über die Flüchtlinge zu viel: Über Menschen, die alles verloren haben, in notdürftigen Zelten hausen, oder die übers Mittelmeer den Weg in ein besseres Leben suchen und dabei ertrinken. Sie wollte etwas tun. Und den Kindern, die auf der Suche nach einer besseren Zukunft in der Schweiz ankommen, ein bisschen Geborgenheit schenken – mit einer Decke, die ihnen ganz allein gehört. «Ich lebe in einem sicheren Land in einem schönen Haus und bin so reich beschenkt!», sagt sie. «Davon wollte ich etwas weitergeben.» Also nahm sie Stoff und Watte, setzte sich an die Nähmaschine und steppte eine erste Decke. Nach einem Austausch mit dem Netzwerk Asyl Aargau wurde ihr allerdings klar, dass es mit zwei, drei Decken nicht getan wäre – Tausende Minderjährige ersuchen die Schweiz jährlich um Asyl. Sie gründete eine ­Facebook-Gruppe und begann, über «Mini Decki» zu bloggen. Das löste eine Lawine der Solidarität aus. 

Näherinnen-Ansturm. Bald meldeten sich aus allen Kantonen Näherinnen und Näher, die mithelfen wollten. Sogar aus Deutschland und Italien erreichten sie Anrufe. «Ich ermunterte die Leute, Decken für die Flüchtlingskinder im eigenen Land zu nähen», sagt Simone Maurer. Auch die Medien liefen Sturm. Eine Zeitung und Radiostationen berichteten über das Projekt der Aargauerin. 

Gegen tausend Decken sind unterdessen bei ihr gelandet. Selber konnte Maurer rund dreissig Stück nähen, bevor sie absorbiert wurde vom Ansturm an Anfragen von Leuten, die sich dem Projekt anschliessen wollten. Via Asylkoordinatoren in den Kantonen klärte Simon Maurer ab, wer wie viele Decken braucht in den Durchgangszentren. Sie lieferte einen Teil selbst, konnte aber auch auf freiwillige Fahrerinnen und Fahrer zählen. Unterdessen hat das Projekt solche Dimensionen angenommen, dass sie kaum noch zum Nähen kommt. Wenn sie doch mal Zeit findet zwischen Familie, Haushalt und Organisation, hockt sie sich an ihre Nähmaschine im Wohnzimmer. Begleitet von der «kleinen Madonna» des Malers Roberto Ferruzzi an der Wand. Schützend hält die mittelalterlich anmutende Madonnenfigur mit dem verschleierten Haupt ein kleines Kind an die Brust. Wie eine Schutzpatronin des Projekts wacht sie über den Decken, mit denen Mütter später ihre Kinder zudecken werden – so wie Simone Maurer es jeden Abend beim Zubettgehen bei ihren Kindern auch tut. 

Mit Flüchtlingen schneidern. Die Familienfrau aus Rütihof möchte so lange weitermachen, bis jedes Flüchtlingskind in der Schweiz seine persönliche, kuschelige Decke hat. «Ich wünsche mir, dass dieses Projekt einem Flüchtlingskind nachhaltig gut tut. Ich bin sicher, dass ‹Mini Decki› auch etwas in den Köpfen der Mitnähenden bewirkt.» Gut möglich, dass sie dereinst zusammen mit Flüchtlingen aus aller Welt Bettdecken nähen wird. Sie weiss von einem Projekt in Winterthur, wo eine Schweizerin zusammen mit Flüchtlingen Kleider schneidert. Jetzt hofft Simone Maurer, dass ihr Projekt sich bald aus ihrem Wohnzimmer raus in einen externen Raum verlagert, bevor ihre vier Wände vor lauter Solidaritätsbekundungen und Deckenstapeln noch aus allen Nähten platzen. 

https://www.facebook.com/snowflake003?fref=nf




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